Faßberg – Militärluftfahrt, Weltraum und Heide

Faßberg, die nördlichste Gemeinde im Landkreis Celle, ist 35 Jahre jung. Am 1. Januar 1977 wurde die Einheitsgemeinde mit den vier Ortsteilen Faßberg, Müden (Örtze), Poitzen und Schmarbeck durch Gesetz des Landes Niedersachsen gebildet.

Die Gemeinde begeistert Touristen aus Nah und Fern mit ihrer Geschichte und Geschichten zur Heide sowie zur Militärluftfahrt und Raumfahrt.

Der Naturpark Südheide lädt Besucher zu Fuß, per Rad und Kutsche zum Entdecken ein. Der staatlich anerkannte Erholungsort Müden(Örtze) ist eines der schönsten Dörfer in der Lüneburger Heide. Das fast 1000-jährige Heidedorf in bäuerlicher Tradition übt damals wie heute eine große Anziehungskraft auf Schriftsteller, Künstler und Sommerfrischler aus. Die Bauerndörfer Poitzen und Schmarbeck mit ihren teilweise noch voll bewirtschafteten Höfen sind in ihrer ursprünglichen Struktur unverändert geblieben. Zwei der drei großen Heidschnuckenherden der Region sind hier zu Hause.

Der Astronom, Physiker, Geodät und Mathematiker Karl-Friedrich Gauß erkundete schon 1828 die wunderschöne Heide- und Wacholderwaldlandschaft. Er nutzte den Haußelberg bei Schmarbeck als Messpunkt der vom Königshaus Hannover angeordneten Landvermessung. Der Gaußstein dort erinnert noch heute an seine „Vermessung der Welt“.

Über die Entstehung, Gewinnung und Aufbereitung eines besonderen Bodenschatzes der Region, dem weißen Gold der Heide –Kieselgur, kann man sich in Neuohe informieren. Das starke Aufsaugvermögen der weißlichen, pulverförmigen Substanz nutzte Alfred Nobel (1833-1896) zur Herstellung von Dynamit. Er stabilisierte das hochexplosive Nitroglycerin mit Kieselgur und sorgte damit für eine sichere Handhabung des gefährlichen Sprengstoffs. Die niedersächsische Kieselgur deckte bis zum ersten Weltkrieg fast den gesamten Weltbedarf an diesem Rohstoff.

Der Ort Faßberg wurde als Gartenstadt in den 1930er Jahren mit dem Bau eines Flugplatzes angelegt. Unvergessen ist die Beteiligung an der Luftbrücke von hier aus in das eingeschlossene Berlin in den Jahren 1948/1949. In der Erinnerungsstätte werden die Leistung der U.S. Air Force und der Royal Airforce in Faßberg sowie deren Zusammenarbeit mit den deutschen Arbeitern der German Civil Labour Organisation, die für die Kohleverladung eingesetzt wurden, gewürdigt. Heute ist der Fliegerhorst mit 574 Hektar einer der größten genutzten Flugplätze der Bundeswehr. Betreiber ist das Transporthubschrauberregiment 10 ,,Lüneburger Heide“. Mit dem Technischen Ausbildungszentrum der Luftwaffe, Abt. NORD, und der Deutsch-Französischen Ausbildungseinrichtung TIGER ist der Fliegerhorst ein multinationales Schulungszentrum.

Mit dem Fliegerhorst entstand zeitgleich in Trauen-Faßberg das Zentrum der deutschen Raketen- und Strahltriebswerkentwicklung unter der Leitung von Prof. Eugen Sänger. Mit seinen Arbeiten legte der Wissenschaftler und Visionär einen wesentlichen Grundstein für die Reise zum Mond. Die erste Flüssigsauerstoff-Tankanlage der Welt und ein Großprüfstand für Raketenmotoren bis zu 100 Tonnen Schub standen in Trauen. Das heute von dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und Airbus Defence & Space GmbH genutzte Versuchsgelände für Hochtechnologie ist einzigartig in Westeuropa.

Städtebaulich und architektonisch fasziniert die Einheitsgemeinde Faßberg als Ort der Gegensätze. Das historisch-bäuerliche Müden(Örtze) kontrastiert mit dem Rationalismus des jungen Faßberg aus den 1930er und 1960er Jahren. Beiden Ortsteilen gemeinsam sind denkmalgeschützte Gebäudeensembles, innerhalb wie außerhalb des Fliegerhorstes.